Wer aus seinem Vermögen längerfristig laufende Erträge erzielen möchte, ohne das Kapital in dieser Zeit zu gefährden, muss den Entnahmesatz sorgfältig wählen. Entscheidend ist nicht nur die Rendite, sondern das Zusammenspiel aus Marktentwicklung, Kosten und Risiko.
Langfristige Daten zeigen, dass global diversifizierte Aktienportfolios im Durchschnitt etwa 6–8 % Rendite pro Jahr (nominal) erzielen können. Diese Rendite steht jedoch nicht vollständig zur Verfügung: Laufende Kosten wie Verwaltungsgebühren, Transaktionen und Steuern reduzieren sie typischerweise um 0,8–2 % jährlich.
Hinzu kommt die Volatilität der Märkte. In schwachen Börsenphasen wirken Kursverluste und Entnahmen gleichzeitig, was das Portfolio dauerhaft schädigen kann. Deshalb gilt es, nicht die rechnerisch verfügbare Rendite vollständig zu entnehmen.
In der Praxis hat sich ein nachhaltiger Entnahmesatz von 3–4 % pro Jahr etabliert:
- 3 % gelten als sehr konservativ und bieten hohe Sicherheit für den Kapitalerhalt.
- 4 % ermöglichen höhere Entnahmen, gehen jedoch mit erhöhtem Risiko in ungünstigen Marktphasen einher.
Beispiel: Bei 6 % nominaler Rendite und 1 % Kosten verbleiben rund 5 %. Dennoch ist es sinnvoll, einen Teil davon als Puffer für schwache Jahre einzuplanen – ein zentraler Grund für die Empfehlung von 3–4 %.
Diese Richtwerte basieren auf finanzwissenschaftlichen Studien zur Safe Withdrawal Rate, etwa von William Bengen oder der Trinity-Studie. Analysen historischer Marktdaten über mehrere Jahrzehnte zeigen, dass moderate Entnahmesätze die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, dass ein Portfolio auch langfristig stabil bleibt.